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Wissenschaftliche Erklärung über freie und treue gleichgeschlechtliche Beziehungen

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Vorwort

In dieser Zeit geschichtsträchtiger Herausforderungen bietet der Wissenschaftliche Erklärung über freie und treue gleichgeschlechtliche Beziehungen ein mächtiges intellektuelles und spirituelles Manifestum zu Gunsten sowohl nichtheterosexueller Menschen als auch der Gemeinschaft der römisch-katholischen Kirche. Lassen Sie mich über diese vier Elemente reflektieren: Zeit, Botschaft, Menschen und die römisch-katholische Kirche.

Die Zeit der epochalen Herausforderungen

Als Nicolaus Copernicus 1543 De revolutionibus orbium coelestium veröffentlichte, wo er die heliozentrische Theorie formulierte, stieß er Erde und Menschheit von ihrer Position im Zentrum des Universums vom Thron und löste eine fundamentale Krise der biblischen Kosmologie aus. Die Doktrin der römisch-katholischen Kirche schien in Gefahr, und es dauerte deutlich über zwei Jahrhunderte, bis Copernicus’ Buch vom Index der verbotenen Bücher entfernt wurde. Die kirchliche Rezeption seiner Entdeckung und das konsequente Aktualisieren des Bibelverständnisses war langwierig, und in diesem Prozess kostete es die Freiheit von Galileo Galilei und das Leiden vieler. Dies wurde letztendlich durch das Papstamt selbst bestätigt, welches im Jahr 2000 um Vergebung „für den Gebrauch der Gewalt, zu dem einige von ihnen im Dienst an der Wahrheit geschritten sind“ bat.[1]

Später, im Jahr 1859, begann die Veröffentlichung von Über die Entstehung der Arten von Charles Darwin, das die Grundzüge der Evolutionstheorie beschrieb, die zweite große wissenschaftliche Revolution, und mit ihr eine weitere Herausforderung für die römisch-katholische Kirche. Mit Kopernikus fiel die antike geozentrische Kosmologie, die durch die Bibelinterpretation unterstützt wurde; mit Darwin begann das traditionelle Verständnis der Weltgeschichte niederzugehen, was etliche Gewissheiten der biblischen Chronologie unterminierte. Die biblischen Referenzpunkte, welche einen klar definierten Beginn und ein klar definiertes Ende der Welt betreffen, glitten in die Unbestimmtheit. Das gesamte Verständnis der Realität änderte sich, was erforderlich machte, dass „sein“ Platz machte für „werden”. Das Problem der Koexistenz der biblischen Schöpfung mit evolutionärer Entwicklung musste gelöst werden, was auch möglich ist, im Gegensatz zum anfänglichen Eindruck kirchlicher Autoritäten. Die kirchliche Auseinandersetzung mit der Evolutionswissenschaft war ebenso mühselig: Erst Ende des zwanzigsten Jahrhunderts erkannte das Papstamt an, dass die Evolutionstheorie mehr als eine wissenschaftliche Hypothese ist,[2] und dass daher ein religiöser Glaube, der sich als in Übereinstimmung mit dem menschlichen Verstand betrachtet, nicht vermeiden kann, ihre Befunde zu integrieren.

Die kopernikanische Revolution zwang uns, unser Verständnis der Menschheit im All zu ändern; die darwinische Revolution verlangte ein neues Verständnis der Menschheit in Geschichte und Zeit. Beide Revolutionen verlangten eine Überarbeitung der Bibelinterpretation und von theologischen Formulierungen, die bislang dem Bewusstsein von Christen Sicherheit boten, und jeder Versuch einer objektiven Überprüfung ihrer Korrektheit verursachte, dass kirchliche Autoritäten fürchteten, offenbarte Wahrheiten zu verraten. Die Schwierigkeiten schienen unüberbrückbar, was Verdächtigungen gegen die wissenschaftlichen Entdeckungen und Ablehnung derselben nährte, wobei die wissenschaftlichen Entdeckungen zu lange als „vorübergehende Modewellen”, „mit dem Glauben unversöhnliche Ideologien” oder „Hypothesen denen Sicherheit mangelt” diskreditiert wurden. Angst lähmte über Jahre den Beginn eines ernsthaften Dialoges mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Im zwanzigsten Jahrhundert verursachte die wissenschaftliche Forschung eine dritte epochale Revolution, welche nicht mehr den Raum des Universums oder die Geschichte der Menschheit betrifft, sondern unsere intimste Dimension: Sexualität. Der Wandel im Denken beinhaltet nun den Aufbau und das Verständnis der Person an sich, ihre Identität und ihre Würde als sexuelles Wesen, welche von einer Vielzahl sexueller Orientierungen markiert wird. Sich dieser neuen Herausforderung stellen, ist vielleicht sogar schwieriger als die beiden vorherigen Revolutionen, denn es stellt etwas zentrales im Menschsein infrage: Nämlich sowohl ein „Individuum” als auch „in Gemeinschaft mit anderen” sein. Wieder einmal erzittern die uralten Gewissheiten und bisher unhinterfragten Konstanten unseres Verständnisses der Realität vor der Herausforderung der Entdeckung, wobei der Verstand mancher Christen meistens Zuflucht in der Ablehnung von Entwicklungen im menschlichen Wissensstand sucht.

In der Vergangenheit waren biblische Kosmologie und Geschichtsschreibung in der Krise, nun scheint die biblische Anthropologie bedroht zu sein. Auch auf diesem Gebiet scheint die Botschaft der Bibel auf den ersten Blick den Befunden der Humanwissenschaften zu widersprechen. Die Bibel scheint nur der Tatsache, dass Sexualität von Natur aus nicht allein durch Heterosexualität definiert werden kann, zu widersprechen: Stattdessen beinhaltet sie eine Bandbreite sexueller Orientierungen, unter denen Homosexualität ist. Wie in Bezug auf die Entdeckungen des heliozentrischen Systems und der Evolution der Arten ist der Widerspruch zwischen dem heutigen Verständnis menschlicher Sexualität und der biblischen Botschaft nur scheinbar unüberwindbar. Das Wort Gottes ist tatsächlich offen und bereit dafür, die Gaben des menschlichen Verstandes bezüglich Sexualität im allgemeinen und gleichgeschlechtliche Orientierung im besonderen anzunehmen. Die Kirche ist daher wieder einmal gefragt, sich dieser Offenheit des offenbarten Wortes bewusst zu werden, eines Wortes, das sich nicht vor der Verständlichkeit und Rationalität menschlichen Wissens fürchtet. Vor der intelligentia fidei liegt die Herausforderung der dritten epochalen Revolution.

Eine Botschaft der Hoffnung in der Stunde schwankender Gewissheiten

Die Wissenschaftliche Erklärung über freie und treue gleichgeschlechtliche Beziehungen, unter der Schirmherrschaft des Wijngaards Institute for Catholic Research erstellt, erfasst den Bedarf für diese entscheidende Stunde der christlichen Geschichte prophetisch. Die Forschung kommt zu folgendem Ergebnis: „Es gibt keinerlei Gründe, weder von den Wissenschaften noch von der Bibel her, die gegenwärtige katholische Lehre, dass jeder einzelne Akt des Geschlechtsverkehrs eine fortpflanzungstechnische Bedeutung und endgültige Bestimmung hätte, und dass demzufolge gleichgeschlechtliche Handlungen „intrinsich gestört” wären, weil ihnen die fortpflanzungstechnische Bedeutung und endgültige Bestimmung fehlt, zu unterstützen.” (§1.5) Daher ist es dringend geboten, „dass die zuständigen Stellen in der katholischen Kirche einen offiziellen Konsultationsprozess einrichten, um die Meinung von christlichen Theologen und Experten anderer relevanter Disziplinen zur Ethik gleichgeschlechtlicher Beziehungen einzuholen.” (§2.1) In einem solchen transparenten Prozess kirchlichen Studiums sollten die wissenschaftlichen Autoritäten die zu Rate gezogen werden die Ansichten der Mehrheit der entsprechenden Fachgebiete vertreten. Es liegt in der Verantwortung der zuständigen Kirchenautoritäten, eine entsprechende Verküdigung herauszubringen, welche die gegenwärtige doktrinäre und moralische Position im Lichte des aktuellen wissenschatlichen und biblischen Wissensstandes korregiert. Die gegenwärtige Forschung kann als erster Schritt in diesem Reifungsprozess betrachtet werden.

Selbst im Fall dass es der lehramtlichen Autorität der Kirche an absoluter Sicherheit bezüglich des neuen menschlichen und biblischen Wissensstandes zu gleichgeschlechtlicher Orientierung mangelt, wird es nicht möglich sein, wenigstens die Existenz wohlbegründeter Zweifel über die Gültigkeit der traditionellen Systematisierung kirchlichen Wissens über Sexualität zu leugnen. Die Gemeinschaft der Gläubigen kann die Aufgabe, die berechtigten Beanstandungen der wissenschaftlichen und biblischen Studien in einem solch entscheidenden Thema wie der Sexualität zu benennen, nicht für kommende Generationen verleugnen. Man versteht daher die Dringlichkeit einer ernsthaften und objektiven Gegenüberstellung mit der Verständlichkeit der sexuellen Orientierung. Gleichgeschlechtliche Orientierung, wie auch heterosexuelle Orientierung, ist keine „Tendenz”, Ergebnis einer individuellen Entscheidung oder eine Art Defekt oder unnatürlicher Faktor. Eher ist gleichgeschlechtliche Orientierung die natürliche Kapazität für eine tiefe emotionelle, affektive und sexuelle Anziehung hin zu und einer intimen und sexuellen Beziehung mit Individuen ses gleichen Geschlechts. Heute gibt es keinerlei Zweifel mehr, dass die Bandbreite der sexuellen Orientierung jetzt weit mehr als eine wissenschaftliche Hypothese ist, und so verlangt sie, von der theologischen Reflektion ernstgenommen zu werden.

Man kann erkennen, dass der Bedarf für die ersehnte Überarbeitung durch die Kirche auch der offiziellen römisch-katholischen Position innewohnt. Heutzutage wird es üblicher, einzugestehen, dass alte Gewissheiten ersetzt werden, was an folgendem Beispiel gezeigt werden kann. Während das jüngste Dokument der Päpstlichen Bibelkommission eindeutig zugibt, dass die Bibelpassage  Gen 19, 1-29 nichts mit Homosexualität zu tun hat,[3] benutzt der Katechismus der Katholischen Kirche von 1992, der für alle Katholiken bindend ist, als ersten biblischen Schritt, um Homosexualität als große Verderbtheit zu verurteilen.[4] Dies ist nur eine von den doktrinären Inkonsistenzen die – wie von der Wissenschaftlichen Erklärung über freie und treue gleichgeschlechtliche Beziehungen empfohlen – nun eine durchgehende Überarbeitung verlangen. Solch einer Überarbeitung kann es nicht genügen, die Schlüsselpassage, die für eine jahrhundertealte homophobe Interpretation der biblischen und post-biblischen Welt verantwortlich ist, einfach stillschweigend zu übergehen.

Stück für Stück zeigt die Wissenschaftliche Erklärung rechtzeitig, dass die gesamte biblische Argumentation, die lange für grundlegend für die Verurteilung von Homosexualität gehalten wurde, im Lichte der Entwicklung der Human- und Bibelwissenschaften nicht mehr für grundlegend betrachtet werden kann. In diesem Sinne übernimmt die Erklärung das andere Prinzip, das vom oben erwähnten Dokument der Päpstlichen Bibelkommission anerkannt wird, und entwickelt es weiter: „Die Bibel spricht nicht von erotischer Neigung zu einer Person des gleichen Geschlechts, sondern lediglich von homosexuellen Handlungen. Und sie beschäftigt sich mit diesen in wenigen Texten, die sich in Literaturgenre und Wichtigkeit unterscheiden”.[5] Tatsächlich konnte die biblische Welt keine gleichgeschlechtliche Orientierung als eine wesentliche Eigenart menschlicher Sexualität kennen. „Während die biblischen Autoren wussten, dass manche Menschen gleichgeschlechtliche Aktivitäten betrieben, ist es unwahrscheinlich, dass es ihnen bewusst war, dass manche Menschen das hatten, was man heute eine ‘homosexuelle Orientierung’ nennt, also eine angeborene, ausschließliche und permanente Anziehung zum gleichen Geschlecht”.[6] Für Ethik wie für Anthropologie ist der Mangel an Wissen über sexuelle Identität ein offensichtliches Problem: Man kann keine exakte ethische Bewertung von Handlungen sexueller Natur folgern, ohne ein ausreichendes Verständnis der sexuellen Natur des Subjektes der Handlungen an sich (agitur sequitur esse). Biblische Texte beruhen auf einem Wissen über Sexualität entsprechend ihrer Zeit, und sie müssen heute auf der Basis des größeren Wissens das wir heute haben gelesen werden.

Zugunsten der menschlichen Person

Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen der Entwicklung des Wissens über unsere Sexualität und der Entwicklung des Wissens über das Sonnensystem und die Evolution der Arten. In der Vergangenheit konnten wissenschaftliche Neuerungen alles in allem Dinge bleiben, die nicht von höchster Wichtigkeit für das tägliche Leben und die spirituelle Erfahrung der meisten Menschen waren. Im Gegensatz dazu berührt das Verständnis der Sexualität jedes menschliche Wesen und bezieht direkt seine tägliche Erfahrung von zwischenmenschlichen, familiären, sozialen und kirchlichen Beziehungen, sein Liebesleben und vor allem seine positive Akzeptanz von sich selbstund seine Würde mit ein. In diesem Licht liegt weit mehr Dringlichkeit in der Pflicht der Religion, gleichgeschlechtliche Orientierung einleuchtend zu machen, als in ihrer Pflicht, über die Bewegung der Planeten und die evolutionäre Entwicklung der Arten zu sprechen. Das Recht auf ein würdevolles Leben, auf emotionale und psychosexuelle Reife, frei von ungerechtfertigten Gewissenskonflikten, und ein angemessenes Verständnis sexueller Rechte und Pflichten kann nicht übermäßig lange auf eine religiöse Antwort, die mit aktuellem humanwissenschaftlichem und biblischem Wissen übereinstimmt, warten.

Die gründliche Forschung, die in der Wissenschaftlichen Erklärung vorgelegt wird, ist weit davon entfernt, ein Beispiel von höchstanspruchsvoller exegetischer und theologischer Datenausgabe zu sein, die Nichtfachleuten kaum zugänglich ist. Tatsächlich stehen hinter der Academia Menschen, und die Academia steht empathisch auf der Seite der Menschen, insbesondere wenn diese die Minderheit vertreten, die „letzten”, die das wichtigste Anliegen der Kirche sind und sein müssen. Wenn Menschen leiden, weil sie sich diskriminiert und verfolgt fühlen, zurückgewiesen oder marginalisiert aufgrund von Doktrin, Gesetze und Regeln, über deren Korrektheit es inzwischen wohlbegründete Zweifel gibt, haben die verantwortlichen Kirchenautoritäten eine religiöse und christliche Pflicht, diese sorgfältig und empathisch zu überarbeiten.

Ein Geschenk und eine Verpflichtung für die römisch-katholische Kirche

Die Wissenschaftliche Erklärung über freie und treue gleichgeschlechtliche Beziehungen ist ein Geschenk und eine Verspflichtung für die Kirche, wie von Papst Franziskus gewünscht. Exegeten und Theologen, sich ihrer wissenschaftlichen und christlichen Pflichten bewusst, bekennen sich zu dieser „Kirche ‚im Aufbruch‘, [die] mutig die Initiative ergreift”.[7] Ihre Arbeit „trägt dazu bei, dass ‚das Urteil der Kirche reift‘“, eine Kirche, die „in ihrer Interpretation des offenbarten Wortes und in ihrem Verständnis der Wahrheit wachsen“ muss,[8] weil „die christliche Lehre ist kein geschlossenes System, das keine Fragen, Zweifel, Probleme hervorbringen kann, sondern sie ist lebendig”.[9]

Indem sie der Kirche den Fortschritt der Human- und Bibelwissenschaften präsentieren, üben die Unterzeichner einen Akt der intellektuellen Aufrichtigkeit und des Vertrauens in die Kirche aus, wie von Papst Franziskus mit prophetischem Eifer beschrieben:

Die Kirche verlangt nicht, den bewundernswerten Fortschritt der Wissenschaften anzuhalten. Im Gegenteil, sie freut sich und findet sogar Gefallen daran, da sie die enorme Leistungsfähigkeit erkennt, die Gott dem menschlichen Geist verliehen hat. Wenn die Wissenschaften in akademischer Ernsthaftigkeit im Bereich ihres spezifischen Gegenstands verbleiben und so im Zuge ihres Fortschritts eine bestimmte Schlussfolgerung deutlich machen, die von der Vernunft nicht verneint werden kann, widerspricht der Glaube diesem Ergebnis nicht.[10]

Der Papst selbst erwartet eine positive kirchliche Antwort auf die fachkundigen Anfragen:

Zuhören bedeutet, sich selbst zu erlauben, von der Realität getroffen zu werden. Zuhören muss der erste Schritt sein, aber es muss mit einem offenen Geist und Herzen geschehen, ohne Vorurteil. […] Wenn ich zuhören muss, muss ich die Wirklichkeit wie sie ist akzeptieren, um zu sehen was meine Antwort sein sollte […] ohne Vowegnahme und vorgefasste Meinungen, [und ohne] dogmatische Vorurteile.[11]

Diese wissenschafliche Forschung befasst sich mit der intimsten Wirklichkeit der menschlichen Person, und “Wirklichkeiten sind größer als Ideen”[12]:

Realitäten sind schlicht da, während Ideen ausgearbeitet sind. Es muss ständigen Dialog zwischen beiden geben, damit die Ideen nicht von der Wirklichkeit losgelöst werden. Es ist gefährlich, nur im Reich der Wörter, der Bilder und der Rhetorik zu verweilen. […] Ideen – begriffliche Ausarbeitungen – sind bereit zum Dienst an Kommunikation, Verständnis und Praxis .[13]

Heute muss sich die wertvolle lebende “Idee”, welche für römische Katholiken die Lehre der römisch-katholischen Kirche ist, der anthropologischen Herausforderung der Sexualität stellen. Papst Franziskus ergreift diese Herausforderung in vollem Bewusstsein:

Das menschliche Selbstverständnis ändert sich mit der Zeit, und auch das menschliche Bewusstsein vertieft sich. Lasst uns daran denken, als die Sklaverei akzeptiert war, oder die Todesstrafe problemlos erlaubt war. So wachsen wir im Verständnis der Wahrheit. […] Letzten Endes versuchen Menschen in jedem Zeitalter der Geschichte, sich selbst besser zu verstehen und auszudrücken. Also ändern Menschen über die Zeit die Art, wie sie sich selbst wahrnehmen. […] Beim Denken über das menschliche Wesen sollte sich die Kirche daher um Genialität bemühen, nicht um Verfall. […] Das Denken der Kirche muss Genialität zurückgewinnen und besser verstehen, wie sich Menschen heute verstehen, um die Lehre der Kirche weiterzuentwickeln und zu vertiefen.[14]

Die Humanwissenschaften zur Sexualität akzeptieren und sie ernsthaft dem offenbarten Wort gegenüberstellen, mit kompetenter Hilfe von Exegeten, Theologen und Wissenschaftlern, ist Teil der geforderten Genialität einer Kirche die zu Mut und evangelikaler Prophezeiung fähig ist. Nur eine solch starke spirituelle Identität ermöglicht es, im Verständnis von etwas, das man früher einmal als gesichert annahm, zu wachsen, so wie es in der Vergangenheit unvorstellbar schien, dass die Entdeckungen des römischen Katholiken Nikolaus Kopernikus und des Anglikaners Charles Darwin mit der Wahrheit des christlichen Glaubens vereinbar wären.

Die Gegenüberstellung der offenbarten Wahrheit, deren Hüterin die Gemeinschaft der Christen ist, mit dem Fachwissen der Human- und exegetischen Wissenschaften auf dem Gebiet der Sexualität, stabil zusammengefasst von der Wissenschaflichen Erklärung, wird es uns erlauben, das gegenwärtige Konzept christlicher Sexualethik und seine Vision des Menschen als durch und für Gottes Liebe geschaffen, zu konsolidieren. Das heutige wissenschafliche Verständnis, angeborener sexueller Orientierungen hilft uns, den wahren Startpunkt und das Herz religiöser Anthropologie zu ergreifen: Der als Abbild Gottes geschaffene Mensch, der der Wahre Bezugspunkt der Liebe ist. Die Bibel klärt nicht die spezielle Frage, wie die menschliche Sexualität strukturiert ist, aber sie lehrt uns den Startpunkt und den letztendlichen Zweck, dem die menschliche Sexualität dienen muss: Liebe. Zu seiner Zeit verteidigte der römische Katholik Galileo Galilei die Erkenntnis, dass die Bibel den Weg zeigt, um in den Himmel zu gehen, nicht die Art wie der Himmel selbst geht. Ersteres ist Aufgabe der Religion, letzteres das Gebiet der Wissenschaft. Heute sind wir aufgefordert, bezüglich dem Universum der menschlichen Sexualität das gleiche Prinzip zu befolgen: Die Bibel lehrt uns, wie man die Sexualität in Liebe begreift, und nicht, wie sie in ihrer differenzierten Natur existiert. Ersteres ist die Aufgabe der Religion, letzteres der unersetzliche Beitrag der Humanwissenschaften.

Krzysztof Charamsa, PhD
Theologe
Ehemaliger Beamter der Kongregation für die Glaubenslehre

Notes to the Foreword

[1] Johannes Paul II., „Predigt für den Tag der Vergebung” (12 März 2000), erhältlich hier: http://www.vatican.va/content/john-paul-ii/de/homilies/2000/documents/hf_jp-ii_hom_20000312_pardon.html.

[2] Johannes Paul II., Messaggio ai membri della Pontificia Accademia delle Scienze (22 Oktober 1996), §4, erhältlich hier http://www.vatican.va/content/john-paul-ii/it/messages/pont_messages/1996/documents/hf_jp-ii_mes_19961022_evoluzione.html.

[3] Pontificia commissione biblica, Che cosa è l’uomo? Un itinerario di antropologia biblica (Vatikanstadt: Libreria Editrice Vaticana, 2019), §§186-188, S. 162-65, erhältlich hier https://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/pcb_documents/rc_con_cfaith_doc_20190930_cosa-e-luomo_it.html, alle Übersetzungen aus dem Italienischen von mir.

[4] Katechismus der Katholischen Kirche (1992), §2357, erhältlich hier http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_INDEX.HTM.

[5] Che cosa è l’uomo?, §185, p. 161.

[6] Interim Research Report, §5.1, https://www.wijngaardsinstitute.com/wp-content/uploads/2021/04/wicr__report_christian_objections_to_same_sex_unions__de__2021.pdf.

[7] „Apostolische Exhortation Evangelii gaudium über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute” [Evangelii gaudium] (24. November 2013), §24, erhältlich hier http://www.vatican.va/content/francesco/de/apost_exhortations/documents/papa-francesco_esortazione-ap_20131124_evangelii-gaudium.html.

[8] Evangelii gaudium, §40.

[9] Papst Franziskus, „Ansprache bei der Begegnung mit den Vertretern des 5. nationalen Kongresses der Kirche in Italien“ (10. November 2015), erhältlich hier https://www.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2015/november/documents/papa-francesco_20151110_firenze-convegno-chiesa-italiana.html.

[10] Evangelii gaudium, §243.

[11] Discorso ai redattori e collaboratori della rivista „Aggiornamenti sociali” (6. Dezember 2019), erhältlich hier http://www.vatican.va/content/francesco/it/speeches/2019/december/documents/papa-francesco_20191206_rivista.html, Übersetzung von mir.

[12] Evangelii gaudium, §§231-32.

[13] Evangelii gaudium, §§231-32.

[14] Antonio Spadaro, „Interview mit Papst Franziskus,” 19. August 2013, §§96-99 (Titel des abschnitts: „Human Self-Understanding” [„Menschliches Selbstverständnis”]), erhältlich hier http://www.vatican.va/content/francesco/en/speeches/2013/september/documents/papa-francesco_20130921_intervista-spadaro.html.

1. Zusammenfassung der Ergebnisse

[15]

„[D]roht umso mehr eine intellektuelle Marginalisierung der katholischen Morallehre, sollte in dieser Frage das Gespräch mit den Erfahrungen der Menschen und den sie reflektierenden Humanwissenschaften vermieden werden.

Auch der Dialog mit den exegetischen und moraltheologischen Erkenntnissen der letzten Jahrzehnte muss so geführt werden, dass ein Lern- und Erkenntnisfortschritt nicht von vornherein ausgeschlossen ist. Nur so bleibt, wie seit den Anfängen des Christentums, Tradition ein lebendiges Geschehen.”

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Bistum Essen, 2019

1.1 Einige Personen sind nicht heterosexuell orientiert

Sexuelle Orientierung beschreibt den Grad sexueller Attraktivität zu Personen des anderen Geschlechts, des gleichen Geschlechts oder beider Geschlechter. Sie manifestiert sich in physiologischen sexuellen Erregungsmustern zu männlichen oder weiblichen erotischen Stimuli. Sexuelle Attraktion wiederum motiviert sexuelles Verhalten, und beide beeinflussen sexuelle Identität. Es existiert kein Anzeichen für die Annahme, Individuen könnten bewusst ihre genitalen Erregungsmuster ändern, um ihre sexuelle Orientierung oder Identität zu wechseln.

Sexuelle Orientierung wird weitgehend während der Schwangerschaft festgelegt von Faktoren, die mehr genetisch und hormonell sind als gesellschaftlich. In einer signifikanten Minderheit von Fällen ist eine Orientierung nicht heterosexuell. Wie andere Formen von Nichtheterosexualität, ist Homosexualität eine „natürliche Variation innerhalb einer Spanne menschlicher Sexualität“.[16]

Weil sexuelle Orientierung weitgehend während der Schwangerschaft festgelegt ist durch genetische und hormonelle Faktoren, ist sie nicht Resultat einer freien Wahl. Nicht-heterosexuelle Personen sind nicht mehr verantwortlich für ihre sexuelle Orientierung als heterosexuelle für ihre.

1.2. Päpstliche Lehre

Die aktuelle päpstliche Lehre verurteilt gleichgeschlechtliche Orientierung als „objektiv ungeordnet“ und gleichgeschlechtliche Akte als immer „in sich nicht in Ordnung“ (Homosexualitatis Problema [im Folgenden „HP“] Nr. 3, Persona humana [im Folgenden „PH“] Nr. 8, und Katechismus der Katholischen Kirche [im Folgenden „KKK“] Nr. 2358).

Die päpstliche Lehre liefert zwei Arten von Argumenten für diese Lehre, beide werden nicht von relevanten Beweisen gestützt.

1.3. Das biologische Argument

Gleichgeschlechtliche Akte sind ein „intrinsisch moralisches Übel“, weil sie unfähig sind zur biologischen Fortpflanzung, was als eine „wesentliche und unerläßliche Regelung“ jedes Aktes des Geschlechtsverkehrs betrachtet wird (PH Nr. 8, auch HP Nr. 7, Humanae Vitae [im Folgenden „HV“] Nr. 3, KKK Nrn. 2357, 2366).

Jedoch zeigen die Naturwissenschaften, dass sich die allermeisten heterosexuellen Geschlechtsakte nicht zur biologischen Fortpflanzung eignen und deshalb nicht Fortpflanzung als ihre eigenen „Zielbestimmung“ haben können. Darin unterscheiden sich nicht-heterosexuelle „Akte“ nicht von den allermeisten heterosexuellen „Akten“: in beiden Fällen sind sie biologisch ungeeignet für Fortpflanzung.

Darüber hinaus betrachtet die aktuelle päpstliche Lehre heterosexuellen ehelichen Verkehr als ethisch legitim, selbst wenn es keine Möglichkeit der Fortpflanzung gibt (HV Nr. 11). Ähnlich behaupten die katholische Theologie und das Kirchenrecht, dass die Fähigkeit zur biologischen Fortpflanzung nicht einmal notwendig ist für die sakramentale Ehe: „Unfruchtbarkeit macht die Eheschließung weder unerlaubt noch ungültig“ (Codex Iuris Canonici [im Folgenden „CIC“], can. 1084 §3).

Individuelle Sexualakte im einzelnen und Ehe im Allgemeinen beinhalten moralische Zwecke über die Fortpflanzung hinaus. Auch nicht-heterosexuelle Akte und Beziehungen können dieselben nicht auf Empfängnis ausgerichteten, moralischen Zwecke beinhalten. Deshalb ist es nicht korrekt, sie als „intrinsisch böse“ zu verurteilen, weil sie nicht „auf die Erzeugung menschlichen Lebens hingeordnet“ sind (HV Nr. 11, KKK Nr. 2366), da sie biologisch dazu nicht in der Lage sind.

1.4. Das biblische Argument

Die päpstliche Lehre behauptet, dass die Bibel gleichgeschlechtliche Aktivität verurteilt. Sie verweist auf Gen 19,1–29; Lev 18,20 par 20,13 in der Hebräischen Bibel und auf Röm 1,26–27; 1 Kor 6,9–10; und 1 Tim 1,10 im Neuen Testament.

Jedoch beziehen sich diese Verse nur auf spezifische Formen männlicher gleichgeschlechtlicher sexueller Aktivität und keine von ihnen verurteilt männliche gleichgeschlechtliche Beziehungen im Allgemeinen (vgl. hier §5 für die Ergebnisse der aktuellen Forschung).

In der Welt, die die biblischen Autoren bewohnten, drückte sich männliche gleichgeschlechtliche sexuelle Aktivität durch Sexualbeziehungen aus, die gewöhnlich temporär (d.h. nicht lebenslänglich) und nicht frei, sondern aufgrund der Ungleichgewichte von Alter, Status und Macht sogar ausbeuterisch waren. Daher ist keine biblische Passage, die männliche gleichgeschlechtliche sexuelle Aktivität verurteilt, relevant, um freie und treue männliche gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen moralisch zu beurteilen.

Ebenso ist bezeichnend, dass nirgends in der Bibel weibliches gleichgeschlechtliches Verhalten ausdrücklich verurteilt wird.

Schließlich wird nirgends in der Bibel gefordert, dass eine Offenheit für die Fortpflanzung in jedem einzelnen Sexualakt oder im Leben eines Paars vorhanden ist. Die Bibel betont, dass menschliche Sexualität im Allgemeinen und speziell die Ehe nicht weniger für innige Gemeinschaft und gegenseitige Hilfe stehen (Gen 2,18.24).

1.5. Schlussfolgerungen

Es gibt keine Gründe dafür, weder aus den Wissenschaften noch aus der Bibel, die die aktuelle katholische Lehre stützen, dass jeder einzelne Akt des Geschlechtsverkehrs Fortpflanzung als Sinn und Ziel hat und konsequenterweise gleichgeschlechtliche Akte „in sich nicht in Ordnung“ sind, weil sie der Bedeutung und des Zwecks zur Fortpflanzung entbehren.

Die Kriterien für die moralische Beurteilung homosexueller Beziehungen und Sexualakte sollten dieselben sein wie für die Beurteilung heterosexueller Beziehungen und Sexualakte.

Homosexuelle Beziehungen können ebenso Leben spendend und gesegnet sein wie ihre heterosexuelle Entsprechung. Sie können eine oder mehrere nicht auf Empfängnis ausgerichtete Bedeutungen menschlicher Sexualität erfüllen wie Lust, Liebe, Trost, Feier, Freundschaft und innige Gemeinschaft.

2. Empfehlungen

2.1. Offizieller Beratungsprozess

Im Blick auf die schädlichen Konsequenzen der katholischen Lehre auf Personen mit nicht-heterosexueller Orientierung, auf die globale Ausbreitung katholischer Institutionen und auf die weitgehende Untersuchung, die der Gegenstand bereits erfahren hat, empfehlen wir als dringliche Angelegenheit, dass die zuständigen Stellen in der katholischen Kirche einen offiziellen Beratungsprozess einrichten, um die Meinung von christlichen Theolog_innen und Expert_innen anderer relevanter Disziplinen zur Ethik gleichgeschlechtlicher Beziehungen einzuholen.

Unbeschadet vom eingesetzten Beratungsprozess sollten die gesammelten Meinungen unabhängig sein, repräsentativ für die Mehrheitsmeinung der einschlägigen akademischen Gemeinschaften, und sie sollten bekannt gemacht werden.

Im Fall einer Uneinheitlichkeit sollten die Namen und Argumente derer, die nicht mit der Mehrheitsmeinung übereinstimmen, ebenso bekannt gemacht werden.

Der vorhandene Bericht kann als erster Schritt der Arbeit eines solchen Beratungsprozesses betrachtet werden.

2.2. Offizielles Lehramtsdokument

Sollten die Belege und Argumente aus dem Bericht des Wijngaards Instituts von dem Beratungsprozess bestätigt werden, sollte ein offizielles Lehramtsdokument die absolute Verurteilung freier, treuer und lebenslanger nicht-heterosexueller Beziehungen widerrufen und die Kriterien für ihre moralische Bewertung, pastorale Begleitung und liturgische Feier darlegen.

2.3. Bischofskonferenzen

Unabhängig von einem offiziellen Lehramtsdokument sollten nationale Bischofskonferenzen empfehlen, dass katholische Institutionen unverzüglich jede Diskriminierungstätigkeit in Bezug auf die Beschäftigung nicht-heterosexuellen Personen einstellen sollten.

2.4. Beseitigung diskriminierender Praktiken

Die Akzeptanz von Humanae Vitae und Homosexualitatis Problema als Zeichen der Orthodoxie sollte aus allen Auswahlprozessen entfernt werden, einschließlich der für Bischöfe, die Leitung katholischer Institutionen und die Zulassung von Priesteramtskandidaten.

2.5. Entschädigung

Wo möglich, sollte ein Schaden in der Karriere von Beschäftigten an katholischen Institutionen und von katholischen Schüler_innen, gegen die eine Zensur ausgeübt wurde, weil sie die Sittlichkeit freier, treuer und lebenslanger gleichgeschlechtlicher Beziehungen verteidigt haben, anerkannt und ersetzt werden.

3. Bewertung der offiziellen päpstlichen Argumente gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen

Dieser Abschnitt bewertet die aktuelle päpstliche Lehre über gleichgeschlechtliche Beziehungen auf der Basis der Akademischen Stellungnahme. Wie der Forschungsbericht wurde auch dieser von allen beitragenden Autoren und Erstunterzeichnern einer Peer-Review unterzogen.

3.1. Das Argument des „Naturrechts“: gleichgeschlechtliche Beziehungen sind unmoralisch, weil sie unfruchtbar sind [RR Nr. 2]

Die päpstliche Lehre behauptet, gleichgeschlechtliche Beziehungen seien unfähig zur biologischen Fortpflanzung, die als ein „natürlicher“, wesentlicher Zweck jedes Aktes des Geschlechtsverkehrs angesehen wird. „Homosexuelles Tun führt ja nicht zu einer komplementären Vereinigung, die in der Lage wäre, das Leben weiterzugeben …“ (HP Nr. 7), und deshalb seien gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften „nicht in der Lage, auf angemessene Weise die Fortpflanzung und den Fortbestand der Menschheit zu gewährleisten.“ (Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen [im Folgenden „Erwägungen] Nr. 7).

Dies beruht auf dem Glauben, biologische „Zeugungsgesetze“ (HV Nr. 13, vgl. Nr. 10) zeigten, dass jeder einzelne Akt des Geschlechtsverkehrs Fortpflanzung als „Sinn und Ziel“ habe (HV Nr. 13, vgl. 3).

Ein solcher Glaube lässt darauf schließen, dass Paare, die sich auf Geschlechtsverkehr einlassen, immer offen für die Fortpflanzung sein müssen.

Dieses Argument beinhaltet folgende Irrtümer.

3.2. Irrtümer im „Naturrechts“-Argument

3.2.1. Kein Akt des Geschlechtsverkehrs hat eine unabhängige biologische “Leistungsfähigkeit” zur Fortpflanzung, daher kann nicht gesagt werden, dass Geschlechtsverkehr jederzeit die Fortpflanzung als endgültige Zweck hat [RR Nr. 4.1].

Die Kausalbeziehung zwischen Insemination und, auf der anderen Seite, Befruchtung, Einnistung und schließlich Fortpflanzung ist nicht notwendig, sondern statistisch. Wäre es nicht so, würde jede Insemination zu einer Empfängnis führen.

Konsequenterweise ist die biologische „Fähigkeit“ für Fortpflanzung eines bestimmten Aktes des heterosexuellen Verkehrs relativ, d.h., abhängig von der statistischen Erfüllung vielfältiger Bedingungen. Kein Akt des heterosexuellen Verkehrs hat eine unabhängige biologische „Fähigkeit“ für Fortpflanzung, und somit kann Fortpflanzung nicht als seine „Zielbestimmung“ bezeichnet werden.

In der Praxis bedeutet das, dass die überwiegende Mehrheit der Akte des heterosexuellen Verkehrs weder eine biologische Fähigkeit noch eine Zielbestimmung zur Fortpflanzung haben und in dieser Hinsicht identisch mit nicht-heterosexuellen Sexualakten sind.

3.2.2. Das päpstliche Argument widerspricht der biblischen Sicht über die vielfältigen Ziele menschlicher Sexualität [RR Nr. 4.6].

Die Hebräische Bibel bekräftigt, dass der Zweck menschlicher Sexualität innige Gemeinschaft, gegenseitige Hilfe (Gen 2,18.24) und körperliche Lust (Hld 5,1; Spr 5,18f.) umfasst.

Bezeichnenderweise beinhaltet die grundlegende Passage von Gen 2,18–24 Fortpflanzung nicht. In Gen 1,28, wo sie erwähnt wird, wird sie als ein Segen beschrieben. Ebenso ist nirgends im Neuen Testament die Leistungsfähigkeit oder die Absicht zur Fortpflanzung als eine wesentliche Voraussetzung für die Ehe im Allgemeinen oder für jeden einzelnen Sexualakt im Speziellen angeordnet.

Daher stimmt das päpstliche Axiom, dass „Offenheit für die Fortpflanzung“ eine wesentliche Voraussetzung für jeden einzelnen Akt des Sexualverkehrs ist, nicht mit der biblischen Lehre überein.

Zusammenfassend befürwortet die Bibel weitere moralische Zwecke von sexueller Aktivität neben der Fortfplanzung. Gleichgeschlechtliche sexuelle Aktivität kann diese nicht auf Empfängnis ausgerichteten moralischen Ziele der menschlichen Sexualität erfüllen.

3.2.3. Andere wissenschaftliche Disziplinen bestätigen, dass menschliche Sexualität wichtige Zwecke hat, die sich von Fortfplanzung unterscheiden [RR §§4.3-4.4].

Dass menschliche Sexualität Ziele beinhaltet, die nicht auf Empfängnis ausgerichtet und unabhängig von Fortfplanzung sind, und stattdessen auf die Stärkung der Paarbindung ausgerichtet sind, wird von der Evolutionsbiologie der menschlichen Reproduktion, Psychologie und Soziologie und weiteren Wissenschaften bestätigt.

3.2.4. Widerspruch zur Hauptströmung katholischer Theologe, dem kanonischen Recht und der päpstlichen Lehre selbst, die Unfruchtbarkeit nicht als ein Ehehindernis ansehen [RR §4.5].

In Übereinstimmung mit den biblischen Belegen behaupten sowohl die Hauptströmung der katholischen Theologie als auch das kanonische Recht, dass die Fähigkeit für biologische Fortfplanzung nicht notwendig ist für eine sakramentale Ehe: „Unfruchtbarkeit macht die Ehe weder unerlaubt noch ungültig“ (CIC, can. 1084 §3).

Ähnlich argumentierte Papst Pius XII. 1951, dass fruchtbare (verheiratete) heterosexuelle Paare von der Pflicht zur Fortfplanzung entbunden werden könnten, sogar für die gesamte Lebensdauer ihrer Ehe, wenn sie ernsthafte Gründe „medizinischer, eugenischer, wirtschaftlicher oder sozialer Art“ hätten.[17]

1968 wiederholte Paul VI. diese Position und fügte hinzu, dass die Sexualakte „auch sittlich erlaubt [bleiben] bei vorauszusehender Unfruchtbarkeit, wenn deren Ursache keineswegs im Willen der Gatten liegt“ (HV Nr. 11).

In einem Dokument von 2016, das die Ergebnisse der Internationalen Bischofssynode zusammenfasst, verurteilt auch Papst Franziskus, dass „die Ehe so präsentiert [wurde], dass ihr Vereinigungszweck – nämlich die Berufung, in der Liebe zu wachsen, und das Ideal der gegenseitigen Hilfe – überlagert wurde durch eine fast ausschließliche Betonung der Aufgabe der Fortpflanzung“ (Amoris laetitia Nr. 36).

Im Weiteren wird bemerkt, dass „Fortfplanzung“ und „Mutterschaft“[18] keine ausschließlich „biologische Wirklichkeit“ (Amoris laetitia Nr. 178) und „nicht die einzigen Wege sind, die Fruchtbarkeit der Liebe zu leben“: solche Fruchtbarkeit kann auch durch Adoption ausgedrückt werden oder einfach durch Mitwirkung an der Gesellschaft (Amoris laetitia Nr. 181). Sowohl nicht-heterosexuelle als auch heterosexuelle Beziehungen sind zu dieser Art von Fruchtbarkeit in der Lage.

3.2.5. Unbegründete Annahmen über die schädlichen Konsequenzen gleichgeschlechtlicher Verbindungen auf Partner_innen, Kindern und Gesellschaft.

Die päpstliche Lehre vertritt auch die Position, dass gleichgeschlechtliche Verbindungen „schädlich“ für die Partner_innen selbst und für die „gesunde Entwicklung der menschlichen Gesellschaft“ im Allgemeinen seien und „Gewalt“ ausübten auf die „normale Entwicklung der Kinder“, die betroffen sind (Erwägungen Nrn. 7–8). Solche Behauptungen werden von den psychologischen und soziologischen Belegen, die aktuell zugänglich sind, nicht unterstützt.

3.2.6. Schlussfolgerung

Was wir von den Humanwissenschaften über die vielfältigen Dimensionen und Bedeutungen menschlicher Sexualität wissen, widerspricht der vatikanischen absoluten Verurteilung aller gleichgeschlechtlichen Akte.[19] Dass gleichgeschlechtliche Beziehungen „nicht in der Lage [sind], auf angemessene Weise die Fortpflanzung und den Fortbestand der Menschheit zu gewährleisten“ (Erwägungen Nr. 7), macht sie nicht intrinsisch unmoralisch. Sowohl gleichgeschlechtliche als auch heterosexuelle Beziehungen sind in der Lage, fruchtbar zu sein in einem breiten Sinn: für die Partner_innen, ihre Kinder, wenn sie sie zur Welt bringen, adoptieren oder pflegen, und für die Gesellschaft insgesamt.

3.3. Irrtümer in der vatikanischen Interpretation der biblischen Passagen über gleichgeschlechtliches Verhalten

3.3.1. Das zweite päpstliche Argument, um gleichgeschlechtliche sexuelle Aktivität zu verbieten, ist, dass sie in ausgewählten biblischen Passagen vermutlich verurteilt wird. Diese sind: Gen 19,1–29; Lev 18,22 und par. 20,13; 1 Kor 6,9–10; 1 Tim 1,10 und Röm 1,26–27.

3.3.2. Weibliche Gleichgeschlechtlichkeit. Alle diese Verse beziehen sich nur auf männliches gleichgeschlechtliches Verhalten: nirgends in der Bibel ist weibliches gleichgeschlechtliches Verhalten ausdrücklich verboten oder verurteilt. Besonders bezeichnend ist dessen Abwesenheit vom Codex über sexuelle Reinheit, der ungesetzliches sexuelles Verhalten von Männern und Frauen auflistet (Lev 18,1–30). Im Neuen Testament benennt Röm 1,26 den „widernatürlichen Verkehr“ der Frauen ohne nähere Angabe. Wie unten bemerkt (Nr. 3.3.7), ist dies wahrscheinlich eine Referenz zu antediluvianischen Frauen, die Verkehr mit Engelwesen hatten (Gen 6,1–4).

3.3.3. Keine Bibelstelle, die gleichgeschlechtliche Aktivitäten von Männern verurteilt, relevant dafür, freie und treue männliche gleichgeschlechtliche Beziehungen moralisch zu bewerten. In der Welt, die die biblischen Autor_innen bewohnten, äußerte sich männliches gleichgeschlechtliches Verhalten gewöhnlich durch Sexualbeziehungen, die befristet waren (d.h. nicht lebenslang), nicht frei, und sogar ausbeutend, aufgrund der Ungleichgewichte von Alter, Status und Macht.

Allgemein wird akzeptiert, dass eine hypothetische biblische Verurteilung von heterosexuellem Sex außerhalb der Ehe nicht eine Verurteilung der heterosexuellen Ehe selbst nach sich zieht.

Daher ist keine biblische Passage, die männliche gleichgeschlechtliche sexuelle Aktivität verurteilt, relevant, um freie und gläubige männliche gleichgeschlechtliche Beziehungen moralisch zu bewerten [RR Nr. 5.1].

3.3.4. Gen 19,1–29.

Diesen Fall als Verurteilung männlicher gleichgeschlechtlicher Sexualakte zu interpretieren, geht gegen den biblischen Text. Diese Passage beschreibt nicht einvernehmliche sexuelle Aktivität, sondern vielmehr die versuchte Gruppenvergewaltigung von Lots engelhaften Gästen durch Sodoms Männer – eine „böse Sache“, verschlimmert durch den Bruch der Pflicht zur Gastlichkeit (Vv. 7–8). Auch war dieser spezielle Vorfall nicht entscheidend für Sodoms Schicksal: zu der Zeit, als es geschah, hatte Gott bereits entschieden, Sodom und Gomorra zu zerstören, auf der Grundlage, dass alle ihre Bewohner_innen – Frauen und Männer – eines undefinierten „verderblichen Tuns“ schuldig geworden waren; trotz Abrahams Eintreten um Gnade, konnte Gott nicht einmal zehn Gerechte unter ihnen finden (Gen 18,16–33). Das wird andernorts bestätigt in der Hebräischen Bibel, wo der Bezug auf die Zerstörung von Sodom als Bestrafung für Arroganz und gefühllose Haltung gegen die Armen und Bedürftigen interpretiert wird (Ez 16,48–50).

3.3.5. Leviticus 18,22 und parallel 20,13. Ihre traditionelle Interpretation als Verurteilung aller männlichen gleichgeschlechtlichen sexuellen Aktivität basiert auf einer Fehlübersetzung, die nicht länger haltbar ist. Vielmehr ist das Verbot begrenzt auf spezifische Formen männlicher gleichgeschlechtlicher Beziehungen.

Wahrscheinlich sind es Beziehungen mit Männern, die verheiratet sind (verurteilt als ehebrecherisch), oder nicht verheiratet, aber unter der sexuellen Vormundschaft einer judäischen Frau (verurteilt als inzestuös).

Ohne Rücksicht auf sein exaktes Objekt liegt es nahe, dass das Verbot bestimmter Formen männlicher gleichgeschlechtlicher Beziehungen dazu führte, gleichgeschlechtlichen Verkehr mit Männern außerhalb der verbotenen Kategorie als erlaubt anzusehen [RR§5.3].

3.3.6. 1 Kor 6,9–10 und 1 Tim 1,10. Diese Passagen sind Teil zweier „Lasterkataloge“, die die Arten von Sündern aufführen, die nicht in den Himmel kommen werden.

Beide Passagen beinhalten den seltenen griechischer Ausdruck „ἀρσενοκοῖται“ („Männlichen-Beischläfer“); in 1 Kor 6,9 geht dem unmittelbar der Ausdruck „μαλακοί“ („Weichlinge“ oder „Effeminierte“) voran.

Das Wort „ἀρσενοκοῖται“ ist sehr selten, aber neuere Erkenntnisse unterstützen, dass es sich wahrscheinlich auf den aktiven Partner im männlichen gleichgeschlechtlichen Verkehr bezieht.

Die buchstäbliche Bedeutung muss innerhalb ihres kulturellen Kontextes verstanden werden. In der griechisch-römischen Welt zur Zeit des Paulus hatten gesellschaftlich dominante Männer, gewöhnlich verheiratet, regelmäßig Sex mit ihren Sklaven oder Prostituierten, sowohl Jungen wie Männern, und übernahmen gewöhnlich die aktive Rolle. Ihre Untergebenen hatten wenig oder keine Wahl. Diesen Kontext unterstellt, bezog sich Paulus’ Verurteilung der „Männlichen-Beischläfer“ vermutlich auf jene sozial dominanten Männer und ihre Rolle und Verantwortung in einem ausbeuterischen und oft ehebrecherischen männlichen gleichgeschlechtlichen Verkehr.

Das unterstützt der rhetorische Kontext beider Lasterkataloge. In Kor 6 ist der Zweck des Katalogs, Paulus’ weitergehendes Argument zu illustrieren: Christ zu sein erfordert ein Handeln in Gerechtigkeit (1 Kor 6,7–8). „Männlichen-Beischläfer“ können nur als ungerecht handelnd betrachtet werden unter der Voraussetzung, wie die männlichen gleichgeschlechtlichen sexuellen Aktivitäten gemeinhin in der griechisch-römischen Welt zu Paulus’ Zeit waren, nämlich ausbeuterisch [RR§5.4].

In 1 Tim 1,10 erwähnt der biblische Autor „Unzüchtige, Männlichen-Beischläfer, Menschenhändler […]“. Schon vor langer Zeit wurde festgestellt, dass die Struktur der erweiterten Liste von Vv. 9–11 den Dekalog widerzuspiegeln scheint. Wenn der Bezug zum Dekalog beabsichtigt ist, liegt es nahe, dass der Autor von 1 Tim „Männlichen-Beischläfer“ (zusammen mit „Unzüchtigen“) als eine Form von Ehebrechern betrachtete, d.h. von Männern, die gegen das siebte Gebot verstießen. Daher sind die „Männlichen-Beischläfer“ hier vermutlich die aktiven Partner im männlichen gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehr, die gewöhnlich heterosexuell verheiratet waren, aber wegen ihrer dominanten sozialen Position, Geschlechtsverkehr mit männlichen Sklaven oder Prostituierten auf geregelte Weise haben konnten und hatten. Dies wird ferner dadurch unterstützt, dass der unmittelbar folgende Ausdruck „Sklavenhändler“ ist, die berüchtigt waren für ihre Beteiligung am Sexhandel [RR§5.5].

Im Gegensatz dazu wurde das griechische Wort „μαλακοί“, das am besten mit „Effeminierte“ übersetzt wird, häufig gebraucht und hatte eine große Bandbreite von Bedeutungen, die Menschen herabwürdigten mit Charaktereigenschaften, die als weiblich galten. Es konnte gebraucht werden, um Menschen herabzuwürdigen, die „willensschwach“ waren oder „denen es an Selbstbeherrschung mangelte“. Im Sexualbereich konnte sich das Wort auf einen „Womanizer“ beziehen ebenso wie auf einen „pathicus“, d.h. den passiven Partner in einem männlichen gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehr. Moderne Übersetzungen von 1 Kor 6,9 wählen oft die letzte Bedeutung, die dadurch zum Gegenstück zu den „Männlichen-Beischläfern“ würde. Die Wahl dieser Übersetzung kann allerdings gegen mögliche Alternativen unmöglich mit Gewissheit etabliert werden. Falls sie jedoch korrekt ist, könnte sie sich auf jene Männer beziehen, die, gewöhnlich jünger und von einem niedrigeren sozialen Status wie z.B. Sklaven, sexuelle Vorlieben gegen Geld, Patronage oder andere soziale Vergünstigungen verkauften.

Unabhängig von ihrer genauen Übersetzung, beinhaltet Paulus’ Verurteilung sowohl von „Männlichen-Beischläfern“ als auch von „Effeminierten“ nicht eine Verurteilung von freien, treuen und lebenslangen männlichen gleichgeschlechtlichen Beziehungen.

3.3.7. Römer 1,26–27. Diese Verse werden im Allgemeinen als die klarste Verurteilung homosexuellen Verhaltens im Neuen Testament betrachtet. Sie sind Teil eines längeren Abschnitts, Röm 1,18–2,11, in dem Paulus ein Argument aufbaut, das seinen Grundsatz stützt, dass alle gesündigt haben, Heiden wie Juden. Neuere Forschungen legen nahe, dass sich die Verse 26–27 wahrscheinlich auf einen damals wohlbekannten apokalyptischen rhetorischen Topos des „doppelten Gerichts“ beziehen. Er bestand aus zwei Beispielen aus der jüdischen Heilsgeschichte von menschlichen Sündenfällen und göttlichen Strafgerichten.

Röm 1,27 als universale Verurteilung freier, gläubiger und lebenslanger männlicher homosexueller Beziehungen zu interpretieren, bedeutet, in den Text etwas hineinzulesen, was er nicht sagt. Eine solche Interpretation wäre ebenso im Konflikt mit der Toleranz gegenüber einvernehmlichem homosexuellem Verhalten, wie es das Fehlen einer Verurteilung irgendwo anders in der Bibel impliziert [RR Nrn. 5.6-5.7].

3.3.8. Es ist unmöglich, mit absoluter Gewissheit festzustellen, ob Paulus und der Autor des 1 Tim sich in 1 Kor 6,9–10 bzw. 1 Tim 1,9–11 auf einvernehmliche oder ausbeuterische Beziehungen bezogen. Letztere Beziehungen waren viel stärker verbreitet, und so ist es viel wahrscheinlicher, dass sie das Objekt der Verurteilung des biblischen Autors waren. Jedoch ist es unmöglich, das mit absoluter Gewissheit festzustellen. Ebenso bezieht sich Röm 1,26–27 fast sicher auf ein feststehendes Motiv des doppelten Gerichts aus der apokalyptischen Rhetorik, das sich auf die Frauen vor der Sintflut und die Männer von Sodom bezog. Die intertextuelle Evidenz ist zu deutlich, als dass sie reiner Zufall sein könnte, aber auch hier ist es unmöglich, die Interpretation mit absoluter Gewissheit zu „beweisen“.

In allen drei Fällen ist die päpstliche Lehre, Paulus biete eine normative Verurteilung nicht-missbräuchlichen, einvernehmlichen homosexuellen Verhaltens, höchst unwahrscheinlich und kann auf jeden Fall ebenso wenig mit absoluter Gewissheit festgestellt werden.

Eine derartige exegetische Unsicherheit hat Auswirkungen auf jegliche ethische oder theologische Schlussfolgerung, die aus diesen Texten gezogen werden könnte. Wenn es keine Gewissheit gibt, auf welche Art von männlichen homosexuellen Akten sich Paulus bezieht – ob einvernehmlich oder missbräuchlich – ist es ebenso unmöglich, absolut sichere ethische Normen daraus abzuleiten: „Theologische Lehren und ethische Regeln können nicht auf exegetischen Vermutungen beruhen“ [RR§5.8].

3.3.9. Schlussfolgerung. Die Bibel enthält kein Verbot und keine Verurteilung freier, treuer und lebenslanger gleichgeschlechtlicher Beziehungen.

Redaktion und ursprüngliche Unterzeichner

Alle Redakteure und ursprüngliche Unterzeichner und Mitunterzeichner haben die „Zusammenfassung der Ergebnisse“ und die „Empfehlungen“ (d. h. die Nrn. 1-2) nur in ihrer persönlichen Funktion gebilligt; sie geben nicht die Meinung ihrer Arbeitgeber wieder.
Außerdem haben sie sowohl die „Bewertung der offiziellen päpstlichen Argumente gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen“ (d.h. Nr. 3 hier) als auch den längeren Forschungsbericht „Christliche Einwände gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen: Eine akademische Bewertung“, den die vorliegende akademische Stellungnahme zusammenfasst, einer Begutachtung durch Fachkollegen unterzogen.

Luca Badini Confalonieri, PhD         Director of Research, Wijngaards Institute for Catholic Research, UK.

Sharon A Bong, PhD                         Associate Professor in Gender and Religious Studies, Monash University, Selangor, Malaysia.

Michael Brinkschröder, PhD            Independent New Testament scholar and sociologist.

Aloysius Lopez Cartagenas, PhD      Formerly Rector of San Carlos Seminary and professor in Theological Ethics and Catholic Social Teaching, School of Theology, Cebu City, Philippines; at present an independent scholar.

Margaret A. Farley, PhD                   Gilbert L. Stark Professor Emerita of Christian Ethics, Yale University Divinity School, USA.

Jeannine Gramick, PhD                     Sister of Loretto, Co-Founder of New Ways Ministry, Mount Rainier, Maryland, USA.

Hille Haker, PhD                                Richard McCormick Endowed Chair of Ethics, Loyola University, Chicago, USA.

Karin Heller, PhD                               Professor of Theology, Whitworth University, Westminster, Spokane WA, USA.

Michael Lawler, PhD                         Amelia and Emil Graff Professor of Catholic Theology (Emeritus), Creighton University, Omaha, Nebraska, USA.

Kathryn Lilla Cox, PhD                      Visiting Research Associate, Department of Theology and Religious Studies, San Diego University, USA.

Gerard Loughlin, PhD                       Professor of Theology, University of Durham, UK.

Aaron Milavec, PhD                          Vice-President Emeritus, Catherine of Siena Virtual College, Cincinnati, USA.

Stanisław Obirek, PhD                      Professor of Humanities, University of Warsaw, Poland.

Markus Patenge, PhD                       Commission for Justice and Peace of the German Catholic Episcopal Conference, Germany.

Irina Pollard, PhD                              Associate Professor of Biological Sciences, Macquarie University, Sydney, Australia.

Todd Salzman, PhD                           Amelia and Emil Graff Professor of Catholic Theology, Creighton University, Omaha, Nebraska, USA.

Mark S. Smith, PhD                           Helena Professor of Old Testament Literature and Exegesis, Princeton Theological Seminary, and Skirball Professor Emeritus of Bible and Ancient Near Eastern Studies, New York University.

David Stronck, PhD                           Professor (Emeritus), Department of Teacher Education, California State University, USA.

Cristina Traina, PhD                          Head Religious Studies, Northwestern University, Evanston, Illinois, USA.

John Wijngaards, PhD                      Professor Sacred Scripture (Emeritus), Missionary Institute London, UK.

Mitunterzeichner

Michael Amaladoss SJ, PhD, PhD                       Principal (emeritus) Vidyajyoti College of Theology, Delhi; Founder and Director Institute of Dialogue, Chennai, India.

Antonio Autiero, PhD                       Professor Emeritus of Moral Theology, University of Münster, Germany.

Ignace Berten OP,                             Dominican, theologian.

Jennifer G Bird, PhD                          Adjunct Assistant Professor, University of Portland, USA.

Mary C. Boys, PhD                            Skinner & McAlpin Professor of Practical Theology, Union Theological Seminary in the City of New York, USA.

Lisa Sowle Cahill, PhD                       J. Donald Monan, S.J., Professor of Theology at Boston College.

Krzysztof Charamsa, PhD                     Theologian, former official at the Congregation for the Doctrine of the Faith.

Brian Doyle, PhD                               Professor of Theology and Religious Studies, Marymount University, Arlington, Virginia, USA.

Heather Eaton, PhD                          Professor of Conflict Studies, Saint Paul University, Ottawa, Canada.

Martin Ebner, PhD                            Professor Emeritus of New Testament Exegesis, Department of Catholic Theology, University of Bonn, Germany.

Brian P Flanagan, PhD                      Associate Professor of Theology, Marymount University, Arlington, Virginia, USA.

Ivone Gebara, PhD                            Professor Emeritus of Philosophy and Systematic Theology, Instituto de Teologia de Recife, Brasil.

John F. Haught, PhD                         Distinguished Research Professor, Department of Theology, Georgetown University, Washington DC, USA.

Thomas Hieke, PhD                           Professor of Old Testament, Catholic Theological Faculty, University of Mainz, Germany.

Natalia Imperatori-Lee, PhD            Professor of Religious Studies, Manhattan College, New York, USA.

John Inglis, PhD                                 Professor of Philosophy, Cross-appointed to Religious Studies, University of Dayton, Dayton, Ohio, USA.

Jan Jans, PhD                                     Associate Professor Emeritus of Ethics, Tilburg University, Netherlands.

Claudia Janssen, PhD                        Professor of New Testament and Theological Gender Studies, Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel, Germany.

Jennifer W Knust, PhD                      Professor of Religious Studies, Trinity College of Arts & Science, Duke University, Durham, USA.

Gerhard Kruip, PhD                          Professor of Christian Anthropology and Social Ethics, Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Joachim Kügler, PhD                         Professor of New Testament Studies, University of Bamberg, Germany.

Paul Lakeland, PhD                           Aloysius P. Kelley, S.J. Professor of Catholic Studies, Fairfield University, USA.

Liza B Lamis, DMin                            Executive Secretary, International Fellowship of the Least Coin.

Bernhard Lang, PhD                          Professor Emeritus of Biblical Studies, University of Paderborn, Germany.

Arche L. Ligo, MA                              Prof. of Catechetics, Institute of Formation and Religious Studies, Quezon City, Philippines.

Astrid Lobo Gajiwala, PhD               Microbiology, Medicine and Theology, Head, Tissue Bank, Tata Memorial Hospital, Mumbai, India.

John Mansford Prior SVD, PhD        Senior lecturer in inter-cultural theology, Ledalero Institute of Philosophy, Maumere, Flores, NTT, Indonesia.

Moisés Mayordomo, PhD                 Professor of New Testament, Faculty of Theology, University of Basel, Switzerland.

Marcus Mescher, PhD                       Associate Professor of Christian Ethics, Department of Theology, Xavier University, Cincinnati, Ohio, USA.

Norbert Mette, PhD                         Professor Emeritus of Practical Theology, University of Dortmund, Germany.

Jesús Peláez del Rosal, PhD              Professor Emeritus of Greek Philology, University of Cordoba, Spain.

Richard Penaskovic, PhD                  Professor Emeritus of Religious Studies at Auburn University, Auburn, Alabama, USA.

Boris Repschinski SJ, PhD                 Professor of New Testament, Institute for Biblical Studies and Historical Theology, Department of Catholic Theology, University of Innsbruck, Austria.

Susan K Roll, PhD                              Associate Professor (Emerita), Faculty of Theology, Saint Paul University, Ottawa, Canada.

Susan A Ross, PhD                             Professor of Theology Emerita, Loyola University Chicago, USA.

Virginia Ryan, PhD                            Lecturer in Catholic Ethics, College of the Holy Cross, Worcester, Massachusetts, USA.

Susanne Scholz, PhD                         Professor of Old Testament, Perkins School of Theology, Southern Methodist University, Dallas, Texas, USA.

Elisabeth Schüssler Fiorenza, PhD   Krister Stendahl Professor, Harvard Divinity School, Cambridge, Massachusetts, USA.

Vincent M. Smiles, PhD                    Professor of Theology, College of St. Benedict & St. John’s University, Minnesota, USA.

Johanna Stiebert, PhD                      Professor of Hebrew Bible, University of Leeds, UK.

Milburn Thompson, Ph.D.                Professor Emeritus of Theology, Bellarmine University, Louisville, Kentucky, USA.

Terrence W. Tilley, PhD                    Professor Emeritus of Theology, Fordham University, USA.

Claudete Beise Ulrich, PhD               Professor of Public Theology and the Study of Religion, Faculdade Unida de Vitoria, Brazil.

Jürgen Werbick, PhD                        Professor Emeritus of Fundamental Theology, Catholic Theological Faculty, University of Münster, Germany.

Wolbert Werner, PhD                      Professor Emeritus of Catholic Theology, University of Salzburg, Germany.

Aloys Wijngaards Jr., PhD                Researcher in Theology, Ethics and Economics, Amsterdam, the Netherlands.

Kelly M. Wilson, Ph.D.                      Adjunct Professor of Theology, University of St. Thomas, Minneapolis MN, USA.

The list will be updated as new signatories will endorse the statement.

Notes

[15] Die kursiven Paragraphennummern in eckigen Klammern beziehen sich auf den betreffenden Abschnitt im Forschungsbericht, welcher den die Feststellung untermauernden Beweis liefert, z.B. [RR §2].

[16] World Medical Association, “Statement on Natural Variations of Human Sexuality,” October 2013; siehe auch Dinesh Bhugra et al., “WPA Position Statement on Gender Identity and Same-Sex Orientation, Attraction and Behaviours,” World Psychiatry 15, no. 3 (2016): 299–300.

[17] Pius XII, “Discorso di Sua Santità Pio PP. XII alle partecipanti al congresso della Unione Cattolica Italiana Ostetriche” (29. Oktober 1951).

[18] Was Amoris Laetitia dort bestätigt, kann auf “Elternschaft” generell angewandt werden, d.h. Auf Vaterschaft genau wie auf Mutterschaft.

[19] Das Arbeitspapier des Synodalen Weges der deutschen katholischen Kirche von Januar 2020 “Leben in gelingenden Beziehungen” kommen zur Schlussfolgerung: “5Die normativen Postulate derzeitiger katholischer Sexualmoral widersprechen den Erkenntnissen der Humanwissenschaften über die vielfältigen Sinndimensionen menschlicher Sexualität.” Es wird außerdem angemerkt: “Beziehungsformen, in denen Werte wie Liebe, Freundschaft, Verlässlichkeit, Treue, gegenseitiges Füreinander-Einstehen und Solidarität gelebt werden, verdienen in moralischer Hinsicht Anerkennung und Respekt ” Beide Schlussfolgerungen gehen konform mit dem in diesem Dokument zusammengefassten Forschungsstand.