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Theolog:innen fordern Homophobie heraus & signalisieren eine Zeit der Veränderung

Der neue Report des Wijngaards Institute for Catholic Research: “Christian Objections to Same-Sex Relationships: An Academic Assessment”

Das Katholische LSBT+Komitee möchte Sie auf die Veröffentlichung des neuen Reports des Londoner Wijngaards-Institutes for Catholic Research aufmerksam machen. Der Report enthält einige bahnbrechende neuere Forschungsergebnisse, die eine Neubewertung der biblischen Aussagen zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen notwendig machen. Er wird zusammen mit einer „Akademischen Erklärung“ veröffentlicht, die von vielen Forscher:innen unterzeichnet worden ist. Das Katholische LSBT+Komitee hat die deutsche Übersetzung des Wijngaards-Reports angefertigt.

„Der Report greift neueste Forschungsergebnisse zu Levitikus 18,22; 20,13 und Römer 1,26f. auf. Er legt auf sehr konzise Weise dar, dass man der Bibel keine Argumente gegen auf Dauer und Treue angelegte gleichgeschlechtliche Beziehungen entnehmen kann. Die Verdammung von homosexuellen Handlungen durch das Lehramt hat jetzt keine theologische Grundlage mehr“, sagt Dr. Michael Brinkschröder, Sprecher des Katholischen LSBT+Komitees.

„Der Report kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Seine Ergebnisse liefern wichtige Impulse für die Debatte über gleichgeschlechtliche Beziehungen in der katholischen Kirche, die aktuell im Rahmen des Synodalen Wegs, aber auch in vielen Kirchengemeinden und Diözesen geführt wird“, ergänzt Veronika Gräwe, Sprecherin des Katholischen LSBT+Komitees.

Das Katholische LSBT+Komitee ist ein kirchenpolitisches Arbeitsbündnis von Katholik*innen aus verschiedenen christlichen LSBT+Gruppen und setzt sich für die Gleichberechtigung von LSBT+Personen in der römisch-katholischen Kirche ein. Zu den Mitgliedsgruppen zählen Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e. V., Netzwerk Katholischer Lesben e.V. (NkaL), AG Schwule Theologie e.V., Katholische Schwule Priestergruppen Deutschlands (KSPD), KjGay der KjG (Katholische junge Gemeinde), Lesbischwule Gottesdienstgemeinschaften (LSGG), Initiative Homo Cusanus und Einzelpersonen.

Kontakt

Katholisches LSBT+Komitee

Dr. Michael Brinkschröder, Email: michael.brinkschroeder@web.de, Tel. 01577/8814399

Veronika Gräwe, Email: katholischeskomitee@gmail.com

Website: https://regenbogenforum.de/lsbt/

Anhang:

Ausführliche Beschreibung des Reports vom Wijngaards-Institute und der Akademischen Erklärung

Der dringende Bedarf für diesen Report

Die Studie des Wijngaards-Instituts wurde zwei Jahre lang vorbereitet, kommt aber zu einem günstigen Zeitpunkt heraus, nämlich kurz nach der jüngsten (15. März) Erklärung des Vatikans, die das Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aufrechterhält und feststellt: „Man kann die Sünde nicht segnen“. In diesem neuen Report haben sich Theolog:innen zusammengetan, um zu beweisen, dass es keine Rechtfertigung für die Verunglimpfung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften durch die offizielle katholische Kirche gibt.

Seit Jahrzehnten wird die Bibel benutzt, um die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen zu rechtfertigen. Diese neue Studie präsentiert bahnbrechende Untersuchungen, die zeigen, dass die Bibelverse, die so lange als Verurteilung dieser Beziehungen angesehen wurden, nichts dergleichen tun. Der Bericht setzt sich auch mit der klassischen Verurteilung gleichgeschlechtlicher Orientierung als “unnatürlich” auseinander und hebt die wissenschaftlichen Erkenntnisse hervor, die gleichgeschlechtliche Orientierung inzwischen als eine natürliche Variante menschlicher Sexualität betrachten. Der Vatikan sowie die meisten anderen christlichen Kirchen tragen die Verantwortung für die anhaltende Diskriminierung von Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen, indem sie biblische Gründe geltend machen, um ihre Verurteilung zu rechtfertigen. Unser Bericht will dazu beitragen, diese grausame und falsche Lehre zu beenden.

Veröffentlichung des Berichts – Mai 2021

o Der Report und die zusammenfassende Erklärung werden am 4. Mai offiziell vorgestellt

o Unsere Pressemitteilung wird zu einer dringenden Änderung der Lehre auf der Grundlage dieser eindeutigen Ergebnisse aufrufen, die als letzter Nagel im Sarg der biblischen Argumente zur Rechtfertigung von Homophobie dienen sollen

o Sie wird an alle Reformgruppen und christlichen Organisationen weitergeleitet, die sich für ein Ende der Diskriminierung einsetzen

o Eine Kopie wird an Papst Franziskus und andere christliche Oberhäupter geschickt

o Podiumsdiskussionen zur Bekanntmachung des Berichts werden in den kommenden Monaten organisiert

o Eine druckbare Version der Erklärung ist verfügbar, um unsere Ergebnisse weiter zu verbreiten

o Die Erklärung wurde bereits in 8 Sprachen übersetzt und der vollständige Bericht in vier Sprachen, darunter auch Deutsch

Was ist das Besondere daran?

Das Wijngaards-Institut für katholische Forschung hat in den letzten zwei Jahren ein interdisziplinäres Gremium von Akademiker:innen koordiniert, um einen Forschungsbericht zu erstellen, der die Moral gleichgeschlechtlicher Beziehungen aus der Sicht der katholischen und christlichen Tradition bewertet. Dies ist der erste Bericht dieser Art, der die neuesten, von Expert:innen begutachteten Forschungsergebnisse zu den Bibelstellen, die zur Verurteilung gleichgeschlechtlicher Beziehungen herangezogen werden, zusammenfasst und bewertet. Viele dieser wichtigen Forschungsergebnisse wurden erst im März 2020 veröffentlicht und sind daher bisher nur in akademischen Kreisen bekannt.

Wichtige Entdeckungen

Während der Bericht auch wissenschaftliche und soziologische Beweise untersucht, ist ein Großteil des Berichts den jüngsten bahnbrechenden Studien zu den wichtigsten sog. „Belegstellen“ in der Bibel gewidmet:

  1. Levitikus 18,22 und 20,13 gelten weithin als die ausdrücklichste und allgemeinste Verurteilung gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Unsere Studie kann bestätigen, dass die traditionelle Interpretation auf einer Fehlübersetzung beruht. Im Gegenteil, diese Verse beziehen sich nur auf bestimmte Arten von männlichen gleichgeschlechtlichen sexuellen Handlungen (insbesondere Ehebruch und Inzest) und verurteilen gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht im Allgemeinen. Die Tatsache, dass sich das Verbot auf eine bestimmte Art von Aktivität bezieht, deutet darauf hin, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen außerhalb der verbotenen Kategorie als zulässig angesehen wurden.
  2. Außerdem wird Römer 1,26–27 falsch interpretiert, wie neue Forschungen überzeugend gezeigt haben.
  3. Es gibt nirgendwo in der Bibel eine Verurteilung von weiblichen gleichgeschlechtlichen Beziehungen, und von einvernehmlichen und treuen gleichgeschlechtlichen Beziehungen im Allgemeinen.
  4. Aus der Sicht der Naturwissenschaften kann bestätigt werden, dass Homosexualität eine „natürliche Variation innerhalb der Bandbreite menschlicher Sexualität“ ist.

Akademische Studienteilnehmer

Der vollständige Report selbst ist eine 75-seitige interdisziplinäre Studie, zu der zwanzig Akademiker:innen beitragen, darunter Bibelwissenschaftler:innen, Theolog:innen, Ethiker:innen, Evolutionsbiolog:innen und Soziolog:innen. Dazu gehören: Margaret A. Farley, PhD, Yale University Divinity School; Hille Haker, PhD, Loyola University, Chicago; Todd Salzman, PhD, Creighton University und Mark S. Smith, PhD, Princeton Theological Seminary.

Die Akademische Erklärung ist eine Zusammenfassung der vollständigen Ergebnisse des Berichts und wurde von über 50 weiteren akademischen Gelehrten unterstützt. Zusätzlich zu allen neunzehn Akademiker:innen, die zu dem Bericht beigetragen haben, gehören zu den hochkarätigen Unterzeichner:innen bisher: Antonio Autiero, Lisa Sowle Cahill, Krzysztof Charamsa, Elisabeth Schüssler Fiorenza, Thomas Hieke, Gerhard Kruip, Bernhard Lang, Susanne Scholz und Werner Wolbert.

Gerichtet an Religionsführer

Der Forschungsbericht ist eine kritische Einschätzung der aktuellen päpstlichen Lehre, die gleichgeschlechtliche Handlungen und Beziehungen in aller Deutlichkeit verurteilt. Wir wollen die Aufmerksamkeit der vatikanischen Behörden und der Bischöfe weltweit auf die Diskrepanz zwischen der päpstlichen Lehre und der akademischen Wissenschaft lenken und sie dazu zwingen, ihre veraltete und grausame Lehre zu überprüfen und zu ändern. Wir wollen auch allen christlichen Gemeinschaften helfen, indem wir ihre Initiativen zur Überwindung von Spaltungen und zur vollständigen Einbeziehung von Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen in die Kirchen wissenschaftlich fundiert unterstützen. Unser Ziel ist es, die als Doktrin verkleidete Diskriminierung zu beenden.

Umfang der Studie

o Die Expertise des Wijngaards-Instituts besteht darin, qualifizierte Akademiker:innen zu versammeln, die die Theologen des Vatikans auf intellektueller Augenhöhe herausfordern und ihre Argumente anhand bestimmter Texte, die zur Stützung von Vorurteilen verwendet werden, entkräften können.

o Die Studie bezieht sich auf die „Ethik der freien und gläubigen gleichgeschlechtlichen Beziehungen“, um den Kern der Beschäftigung der katholischen Hierarchie mit gleichgeschlechtlichen Verbindungen/Ehen und deren Äußerungen dagegen auf den Punkt zu bringen.

o Aber es wird darauf hingewiesen, dass die Gesundheit und der Wert des breiteren Spektrums aller gleichgeschlechtlichen Beziehungen nach denselben Kriterien zu bewerten sind, die für heterosexuelle Beziehungen gefordert werden.

o Unser Bericht umfasst gleichgeschlechtliche Beziehungen für Frauen und Männer und jeder Geschlechtsidentität.

o Der Umfang beschränkt sich auf die sexuelle Orientierung, weil sie ein vom Geschlecht getrenntes Thema ist. Wir mussten auch die Länge des Berichts berücksichtigen und in der Lage sein, zu Beginn einen Konsens zu diesem einen Thema zu finden.

o Für viele Christ:innen sind biblische Argumente nach wie vor ein Hindernis für die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehungen; indem wir so viele Expert:innen wie möglich versammeln, wollen wir die Grundursache für die anhaltende Homophobie beseitigen.

o Obwohl viele Theolog:innen von den traditionellen biblischen Argumenten abgerückt sind, hat die offizielle Kirche dies nicht getan. Wir hoffen, dass diese Studie dazu beiträgt, das biblische Argument ein für alle Mal zu widerlegen.

o Unser akademisches Material wird Aktivist:innen auf der ganzen Welt in ihrer Arbeit unterstützen, um falsche Lehren zu entlarven und die Dämonisierung von schwulen, lesbischen und bisexuellen Christ:innen und ihrer Beziehungen zu beenden.

Das Wijngaards-Institut für katholische Forschung ist eine Bildungseinrichtung, die sich der akademischen Forschung von Theolog:innen und Akademiker:innen aller Disziplinen widmet, um die Lehre der Kirche in Frage zu stellen, wo sie auf Vorurteilen und der Fehlinterpretation von Texten beruht. Unser letzter Bericht über die Ethik der Empfängnisverhütung wurde bei einer von der UNO veranstalteten Veranstaltung vorgestellt und führte zu einem Treffen mit dem Leiter der Päpstlichen Akademie für das Leben im Vatikan, um unsere Ergebnisse und Empfehlungen zu diskutieren. www.wijngaardsinstitute.com

Kontakt:

Miriam Duignan: T +44 7970 926910 E miriam.duignan@wijngaardsinstitute.com

Dr. Luca Badini Confalonieri: T: + 44 7446 283699 E luca.badini@wijngaardsinstitute.com